Ökologie als grundlegende Voraussetzung für Emanzipation

Von Jens Noack

Emanzipation ist geschichtlich immer einer Weiterentwicklung unterworfen gewesen.Grundlage hierfür waren komplex vernetzte gesellschaftliche, technologische und ökologische Veränderungen. Dieser Artikel möchte die Zusammenhänge dazwischen zeigen und eine Erklärung liefern, warum eine starke Betonung auf nachhaltige ökologische Politik zu einem Selbstverständnis einer emanzipatorischen Linken gehören muss.

Der Mensch ist Teil der Natur. Damit ist schoneinmal vorweggenommen, dass es keine Unterscheidung zwischen einem “natürlich” und "unnatürlich" geben kann. Solch eine Unterscheidung bedingt die Kenntnis einer uns anderen Welt, welche es allerdings nachweislich nicht gibt.

Ein zweiter Fall währe der am häufigsten benutzte. Der Erhebung des Menschen über die Natur. Dieser Fall ist nachweislich ebenfalls ausgeschlossen. Und somit alles was wir als Mensch tun auch natürlich. Diese Erkenntnis ist die Grundlage von Selbstbestimmung im außer natürlichen Sinne. Die Beschränkung von Selbstbestimmung kann somit nur aus der Natur heraus und damit mit all seinen beteiligten Komplementären erfolgen. Derer gibt es viele und zur Vereinfachung lassen sie sich aufbauend in dieser Reihenfolge in uns bekannte Systeme einordnen:

1. Die physikalischen Gesetze
2. Das Ökosystem
3. Die Gesellschaft

Alle Systeme sind miteineinander in einer komplexen Vernetzung verbunden. Diese drei Systeme bauen aufeinander auf. Alle weiteren Systeme sind nur Teilsysteme dieser, wie ich sie nenne, drei Grundsysteme. Durch diese Aufschlüsselung der Natur in ihre Teilsysteme, wird eine vereinfachtere Analyse der Einflussfaktoren auf den Menschen und damit zu seinen Emanzipationsmöglichkeiten möglich. Das System Gesellschaft meint hier nicht nur die Tätigkeiten oder Gedanken einer bestimmten Anzahl von Menschen, sondern auch die jedes einzelnen.

1. Zu den physikalischen Gesetzen

Die physikalischen Gesetze sind die Grundlage von allen weiteren Erkenntnissen. Die physikalischen Gesetze verändern sich nicht. Einzig die Kenntnis über diese kann sich ändern. Weiterhin sind sie der einzige Einflussfaktor, den wir nicht in der Lage sind zu verändern. Wir können diesen nur erkennen und verstehen lernen und ihn zur Veränderung von anderen Systemen nutzen. Eine Emanzipation aus diesem Einfluß, als letzte Emanzipationsmöglichkeit ist nicht möglich.

2. Zur Vernetzung Ökosystem/ Gesellschaft

Im Gegensatz zu den unveränderbaren physikalischen Gesetzen, lässt sich mit Kenntnis dieser, eine Veränderung des Ökosystems bewirken. Das Ökosystem ist das erste aller Systeme das veränderlich ist. Das System “physikalische Gesetze” wirkt aber auch immer, unabhängig von seiner Kenntnis auf das Ökosystem mit ein. Der Mensch als Teil des Ökosystems und des Systems Gesellschaft, wirkt auf dieses ein und dieses wirkt auf ihn ein. Das Ökosystem ist das größte System nach dem System der physikalischen Gesetze und auch das nach den physikalischen Gesetzen am meisten mit dem Menschen vernetzte.

Als zweite Verbundenheit, ist der Mensch also an die Gegebenheiten des Ökosystems gebunden. Eine Verschlechterung der Lebensbedingungen des Ökosystems bewirkt also auch eine Verringerung der Emanzipationsmöglichkeiten durch entweder noch nie dagewesene oder wieder entstandene Abhängigkeiten. Ein anderer Fall wären die nahezu unveränderten Beeinflussungen von Ökosystem und Gesellschaftssystem. Ein Mensch in der Sahara hat ohne entsprechende Technologie wesentlich schlechtere Emanzipationsmöglichkeiten, als der in einer fruchtbareren Gegend. Da nützt ihm auch die am weitesten fortgeschrittene Gesellschaftsform nichts. Vorsicht aber vor diesen beiden Begriffen! Technologie und Gesellschaftsform fasse ich hier als Teile des Systems Gesellschaft auf. Wir sehen an diesem Beispiel sehr deutlich, dass eine unmittelbare Abhängigkeit vom System Gesellschaft zum Ökosystem vorhanden ist.

Im Laufe der Menschheitsgeschichte konnte sich der Mensch durch u.a. technologische und philosophische Entwicklungen von vielen Emanzipationshindernissen des Ökosystems befreien. Dieses sind alles positive Wirkungen des Systems Gesellschaft und damit positive Beeinflussungen des Ökosystems. Durch Rückkoppelung entsteht dadurch wiederum eine positive Beeinflussung des Systems Gesellschaft!

Die Gesellschaft als Teil des Ökosystems übt wie die anderen der drei grundlegenden Systeme einen unmittelbaren Einfluß auf den Menschen aus. Das System Gesellschaft ist ebenso wie das Ökosystem Beeinflussungen und Abhängigkeiten unterworfen. Eine davon ist die Abhängigkeit zum Ökosystem. Gesellschaft mit einem vollständig zerstörtem Ökosystem ist nicht vorstellbar. Damit wäre die Lebensgrundlage des Menschen entzogen. Die Gesellschaft kann mit all ihren Fähigkeiten das Ökosystem oder ihr eigenes System positiv wie negativ beeinflussen und durch die Rückkoppelung daraus Nutzen genießen oder Schaden erleiden.

Hier ist also der Ansatzpunkt zu Erhöhung von Emanzipationsmöglichkeiten. Durch Philosophie und Technik werden Grundlagen zu Veränderungsmöglichkeiten geschaffen. Durch Politik werden diese umgesetzt. Durch negativ bewirkte Veränderungen des Ökosystems durch das System Gesellschaft entstehen durch Rückkoppelung neue Zwänge und somit eine Verminderung von Emanzipationsmöglichkeiten. Der Kapitalismus als Teil des Systems Gesellschaft besitzt eine negative Wirkung auf das System Gesellschaft und durch die negative Beeinflussung des Ökosystems und dessen negativer Rückkoppelung auf das System Gesellschaft, wirkt er zusätzlich zu seiner direkten Wirkung vermindernd auf die Emanzipationsmöglichkeiten. Er ist aber nur einer von vielen Faktoren die die Emanzipationsmöglichkeiten begrenzen oder vermindern.

Die Technik, als untergeordnetes von allen drei grundlegenden Systemen kann aber wiederum durch Rückkoppelung mit dem Ökosystem eine positive, wie auch negative Veränderung bewirken. Da aber wie erwähnt, das gesellschaftliche System als eine der Grundlagen von Technologie dient, sind das direkte Beeinflussungen der Menschen in die Möglichkeiten der Emanzipation.

3. Schlußfolgerungen

Grundlage eines jeden Menschen ist das Ökosystem. Eine Verschlechterung dieses Systems bedeutet den Verlust von Emanzipationsmöglichkeiten. Eine Verschlechterung des Systems Gesellschaft kann aus ihm heraus oder vom Ökosystem erfolgen. Demzufolge kann die höchstmögliche Erreichung von Emanzipationsmöglichkeiten nur durch die gleichwertige positive Beeinflussung beider Systeme erfolgen.